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Mit dem Matutu zum Weihnachtsfest

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Auch in Kenia wird Weihnachten gefeiert – aber anders als bei uns. HWB-Mieterin Anne Wangari über Weihnachtsbräuche in ihrer ostafrikanischen Heimat und afrikanische Weihnacht in Deutschland

Was für eine Frage! Natürlich werde sie einen Weihnachtsbaum kaufen, sagt Anne Wangari – einen kleinen. Ihre 13jährige Tochter hätte gern einen größeren. Der aber ist zu teuer.

In ihrem Heimatland Kenia ist Weihnachten für die meisten Menschen ein ebenso wichtiges Fest wie für uns in Deutschland – allerdings ohne bunten Weihnachtsbaum in der Stube. Dafür werde in der Hauptstadt Nairobi auf einem zentralen Platz ein Baum mit Lichterketten geschmückt, erzählt Anne Wangari. Der Präsident persönlich oder der Bürgermeister schalten die Weihnachtsbaumbeleuchtung an.

Weihnachten ist in Kenia vor allem ein Fest der Familie. Kein anständiger Kenianer kann es sich leisten, die Geburt Christi nicht mit der Familie zu feiern. Bis zum Spätnachmittag des 24. Dezember sind Hunderttausende in überfüllten Bussen und Kleinbussen – so genannten Matutus – unterwegs in ihre Heimatdörfer.

Die Tage vor Weihnachten sind aber nicht nur für die Matutufahrer, die ihre Preise vor der großen Reisewelle kräftig erhöhen, sehr einträglich. Auch Textilhändler können sich über gute Umsätze freuen, denn zu Weihnachten wird in Kenia traditionell die ganze Familie neu eingekleidet. „Andere Geschenke sind nicht üblich“, sagt Anne Wangari, höchstens noch etwas zu Essen oder zu Trinken.

Essen und Trinken mit der Familie, Freunden, Nachbarn – das ist sowieso das Wichtigste an Weihnachten. Zum Fest kommt in Kenia vor allem Fleisch auf den Tisch, viel Fleisch: Ziegen, Kühe und Hühner werden zu Hause geschlachtet oder im Ganzen auf dem Markt gekauft – es muss schließlich für viele Münder reichen. Zu dem gekochten, gebratenen oder gern auch gegrillten Fleisch gibt es Chapati, das traditionelle Fladenbrot, das bei keiner Mahlzeit fehlen darf. Die Männer trinken dazu reichlich Maisbier, für Frauen und Kinder gibt es Limonade in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. „In Kenia gibt es viel mehr Sorten und Farben als hier in Deutschland“, wundert sich Anne Wangari.

Vor dem großen Essen kommt die Kirche. „Beim Gottesdienst wird viel ge­sungen und getanzt“, sagt Anne Wangari. „Als Kinder sind wir davor von Haus zu Haus gezogen und haben Weihnachtslieder gesungen.“ Kleingeld, das ihnen dabei zugesteckt wurde, haben sie „Baby Jesus“ gespendet.

An den Weihnachtsfeiertagen ist es in Kenia durchaus üblich, seine Nachbarn zu besuchen – ohne Einladung oder Anmeldung. In Deutschland würde dies sicherlich verdutzte Gesichter erzeugen.

  

Über 80 Prozent der kenianischen Bevölkerung sind Christen und feiern deshalb natürlich Weihnachten: die Geburt Christi. Ihr Fest ist aber nicht mit der selig-heimeligen deutschen Weihnacht zu vergleichen. In Kenia feiert man ausgelassen und fröhlich – nicht selten wird bis Sonnenaufgang gegessen, getrunken, getanzt und gesungen.

   

Anne Wangari lebt mit ihrer 13-jährigen Tochter seit fast vier Jahren in Deutschland, die meiste Zeit davon in Hennigsdorf. Heiligabend werden die beiden in die Kirche gehen und danach zu Hause Essen. Mit dem Geschenke auspacken warten sie bis zum 26. Dezember. „Am ersten Feiertag fahren wir zum Gottesdienst in der St. Albertus Magnus Kirche in Berlin“, sagt Anne Wangari. In dieser katholischen Kirche treffen sich seit einigen Jahren Afrikaner aus Kenia, Kamerun und Nigeria, aber auch viele Deutsche zu einem englischsprachigen Gottesdienst. Nach der heiligen Messe wird im Gemeindesaal in großer Runde gemeinsam Weihnachten gefeiert. Jeder bringt dafür etwas zu Essen und Trinken mit, erzählt Frau Wangari. „Wie in einer großen Familie in Kenia.“

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