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Linie für Linie...

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... haben Fassadenkünstler ein neues Wandbild auf dem Giebel der Reinickendorfer Straße 12 entstehen lassen. Das Übrige erledigt das Hirn des Betrachters.

 Neugierige und fragende Blicke begleiten Erik Mahnkopf (großes Bild) und sein Team, als sie oben auf dem Gerüst stehen und mit schmalen Pinseln graue Linien auf den frisch ge­weißten Giebel Ecke Reinickendorfer/Choisy-le-Roi-Straße ziehen. Erst nach und nach offenbart sich den Anwohnern und zufällig vorbei kommenden Passanten, was die Fassadenmaler der Berliner Firma Graco Linie für Linie auf der Wand entstehen lassen. Mal sind die Linien dicker, mal dünner, an einigen Stellen sind sie unterbrochen, an anderen verbinden sie sich zu dunklen Flächen.

 

Steht der Betrachter direkt vor der Fassade, kann er jede einzelne Linie er­kennen. Ein abstraktes Muster bietet sich seinem Auge. Tritt er einige Schritte zurück, verschmelzen die os­zillierenden Linien zu einem Bild. Das Hirn ergänzt die fehlenden Teile und „rechnet“ sie in ein flächiges Bild um. Je größer sein Abstand, um so klarer wird das Bild: Ein großer Baum unter dem es sich Vater und Sohn im Gras bequem gemacht haben.

Als Vorlage für ihr gut 100 Quadratmeter großes Wandbild diente den Graco-Leuten ein kleines Foto. Bevor sie es auf den Giebel übertragen konnten, wurde es am Computer mit einem speziellen Bildbearbeitungsprogramm in ein Linienraster umgewandelt. Die Fassadenmaler ha­ben also nicht Baum und Menschen, sondern unterschiedlich starke Rasterlinien auf die Fassade gemalt und unser Hirn macht aus den Linen wieder das Foto.

„Unser Bild besteht aus insgesamt 364 Linien“, erklärt Erik Mahnkopf. Auf dem DIN-A2-großen Ausdruck sind die einzelnen Linien nur für sehr scharfe Augen zu erkennen. Auf der Giebelwand sind sie stellenweise fingerbreit und neun Meter lang. Alle zusammen ergeben eine Strecke von 3,276 Kilometern.

Damit eine Liniengrafik „funktioniert“  und das gewünschte Bild auf der Wand und im Auge des Betrachters entsteht, müssen die Linien gerade und parallel sein. „Eine herkömmliche Wasserwaage ist dafür nicht genau genug“, erklärt Erik Mahnkopf. Deshalb haben sie für das Vorzeichnen der Linien Lasertechnik eingesetzt. Das Malen aber ist reine Handarbeit. Keine Linie ist wie die andere. Deshalb erfordert die Arbeit eine ruhige Hand, ein gutes Auge und Konzentration, um bei den ganzen Linien nicht den Überblick zu verlieren.

Nah- und Fernwirkung. Wer direkt vor dem Giebel steht, sieht viele Linien. Erst mit etwas Abstand entsteht das Bild.

 

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