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Geschichten, die das Leben schrieb

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Die „Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n)“ vereinen persönliche Erinnerungen zu einer unkonventionellen und lesenswerten Geschichte der Stadt

 

Warum feiern die Hennigsdorfer Ruderer ein Hammelfest? Wie baut man eine Schwimmhalle ohne Genehmigung? Warum hatten die Kinder der alten Stahlwerkssiedlung schwarze Knie? Haben Stahlwerker wirklich Campinganhänger gebaut? Wie feierte man im Sperrgebiet Kindergeburtstag? Antworten auf solche und andere Fragen findet man in den vom Berliner Rohnstock-Verlag und der Stadtverwaltung gemeinsam herausgegebenen „Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n)“.

Dieses fast 300 Seiten starke Buch ist weder eine herkömmliche Chronik, die Jahreszahlen und Ereignisse auflistet, noch eine Sammlung wissenschaftlicher Aufsätze zur Hennigsdorfer Stadt-, Wirtschafts-, Politik-, Bau-, Sport-, Sozial- oder Kulturgeschichte. Es ist von allem etwas. Nicht Fachleute oder Historiker deuten, erklären und bewerten den Lauf der Hennigsdorfer Geschichte. In diesem Buch kommen in erster Linie Hennigsdorfer selbst zu Wort – erzählen von ihrem Leben, das sie in ganz unterschiedlichen Rollen zu Protagonisten der Hennigsdorfer Geschichte der letzten Jahrzehnte werden ließ.

Vor gut zwei Jahren hatte die Stadt den auf Lebens- und Firmengeschichten spezialisierten Rohnstock-Verlag aus Berlin beauftragt, die „Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n)“ aufzuschreiben. Den „Rohstoff“ für das Buch lieferten die Tonbandprotokolle von so genannten Erzählsalons, zu denen der Verlag eingeladen hatte. Ohne thematische Vorgaben haben 20 „Erzähler“ bei diesen Salons ihre ganz persönlichen Hennigsdorfgeschichten zu Protokoll gegeben. Viele dieser Geschichten, Episoden und Anekdoten erzählen vom Arbeits- und Alltag in Hennigsdorf jenseits der großen Politik und offiziellen Geschichtsschreibung.

Ergänzt werden diese Geschichten durch eine Reihe von Interviews mit Zeitzeugen. So kommen zum Beispiel neben dem ersten nach der Wende 1989 frei gewählten Betriebsrat des Stahlwerkes auch ein ehemaliger polnischer Zwangsarbeiter und eine polnische Insassin des KZ Ravensbrück zu Wort, die während der Nazizeit wie tausende ihrer Leidensgefährten unter erbärmlichen Bedingungen für die deutsche Kriegswirtschaft in Hennigsdorf schuften mussten.

Außerdem konnten die Autoren auf schriftliche Erinnerungen, Aufzeichnungen und Zeitungsartikel einiger noch lebender oder bereits verstorbener Hennigsdorfer Chronisten und Heimatforscher zurückgreifen.

Die zum Teil sehr persönliche Sicht auf Hennigsdorf, auf das Leben und Arbeiten in der Stadt, wird ergänzt durch eine Vielzahl historischer Fotos, Urkunden und Zeitungsausschnitte aus Bibliotheken, Archiven und Nachlässen, die die subjektiv gefärbten Erinnerungen in einen zeitgeschichtlichen Kontext stellen.

Dank vieler interessanter und meist kurzweiliger Texte wird es nicht langweilig, in dem recht aufwendig gestalteten Buch zu blättern und zu schmökern.

Dass die „Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n)“ auch Widerspruch provozieren, liegt wohl in der Natur der Sache begründet. Nicht jeder Leser wird die persönlichen Erinnerungen und Bewertungen der „Erzähler“ teilen oder ganz andere Dinge für erzählenswert halten. Was kann einem Buch aber Besseres passieren, als zum Nachdenken, Nachfragen und Diskutieren anzuregen?

 

Hennigsdorfer Stadtgeschichte(n). Menschen und Ereignisse

aufgeschrieben von Katrin Rohnstock und Dr. Stefan Kappner

Rohnstock Biografien, Berlin 2011

Das Buch ist in der Stadtinformation oder in der „Bücherstube“ in der Havelpassage zum Preis von 19,90 Euro erhältlich. Die 1000 Exemplare der 1. Auflage sind fast vergriffen. Für 2012 eine Neuauflage geplant.

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