Freizeiteinrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung
Lebenshilfe eröffnet in der Klingenbergstraße eine Kontakt- und Beratungsstelle

In die schon länger verwaisten Gewerberäume in der Klingenbergstraße 26 zieht wieder Leben ein. Der Verein „Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Oberhavel Süd“ hat dort seine zweite Kontakt- und Beratungsstelle – kurz KaBS – eingerichtet.
In Oranienburg betreibt der Verein seit fast zehn Jahren so eine Einrichtung mit großem Erfolg. Für viele geistig behinderte oder psychisch kranke Menschen ist die KaBS in der Lehnitzstraße 26 eine feste Größe im Alltag geworden. Dort können sie sich nach Feierabend oder an den Wochenenden treffen, gemeinsam die Freizeit verbringen, Kaffee trinken, spielen, basteln oder kreativ werden. Außerdem bekommen geistig Behinderte und deren Angehörige in der KaBS Rat und Unterstützung beim Umgang mit Behörden oder beim Ausfüllen von Formularen. „Wir bieten auch eine Reihe von Kursen an“, erklärt Franziska Schultz, Betreuerin der Oranienburger KaBS. In den Kursen lernen und trainieren die geistig Behinderten Fähigkeiten, die ihnen helfen, den Alltag selbständig und selbstbestimmt zu meistern.
Franziska Schultz wird gemeinsam mit ihrer Kollegin Maike Müller die KaBS in der Klingenbergstraße aufbauen. „Wir fangen mit einem offenen Cafe an zwei Tagen in der Woche (Mittwoch und Samstag 16 bis 20 Uhr) an“, sagt Franziska Schultz. „Nach und nach werden wir dann das Angebot erweitern.“
In der ersten Zeit gilt es vor allem die Werbetrommel zu rühren und das neue Angebot bekannt zu machen und zu etablieren. Perspektivisch soll der Treff in der Klingenbergstraße wie sein Pendant in Oranienburg täglich geöffnet haben. „Bei den Kursangeboten werden wir uns den Wünschen und Interessen der Besucher orientieren“, sagt Franziska Schultz.
„Unsere neuen Nachbarn müssen keine Sorge haben, dass wir ihre Ruhe stören werden“, versichert Bolko Prußok. Der ehrenamtliche Vorstand des Vereins und Vater eines geistig behinderten Sohnes kennt die Vorurteile und diffusen Ängste vieler Nichtbehinderter und weiß nur zu gut, dass sie völlig unbegründet sind.
Die Lebenshilfe bietet in Oranienburg, Hennigsdorf und Velten Wohnstätten und Wohngemeinschaften für geistig Behinderte und psychisch Kranke. „Wir wollen unser Angebot in diesem Bereich ausbauen“, erklärt Bolko Prußok, „der Bedarf ist da.“
Der neue Treffpunkt in der Klingenbergstraße ist eine wichtige Ergänzung zu den Wohngemeinschaften. Dort finden die Behinderten nach der Arbeit in geschützten Werkstätten und an den Wochenenden Freizeitangebote in ihrer Nähe, die auf ihre Bedürfnisse und Lebenssituation zugeschnittenen sind.
So wichtig solche Einrichtungen wie die KaBS auch sind, ihre Finanzierung ist für die Organisatoren eine permanente Herausforderung. „Die Anschubfinanzierung für Hennigsdorf verdanken wir einer Spende der Telekom“, erzählt Bolko Prußok. Einen Teil der laufenden Kosten überweist die öffentliche Hand, für den anderen ist die Lebenshilfe aber auf Spender angewiesen.
Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Oberhavel Süd
Lehnitzstraße 26 in 16515 Oranienburg
Tel.: (03301) 53 27 26
Fax: (03301) 53 76 85
Email: info@lh-ohv.de
www.lebenshilfe-oberhavel-sued.de
Im Mai 2010 hat die Lebenshilfe die Räume in der Klingenbergstraße bereits als Atelier genutzt. Unter dem Motto „LiA – Lebenshilfe in Aktion“ habe hier Menschen mit geistiger Behinderung drei Tage lang gesägt, geschliffen und gefeilt. Mit viel Kreativität, Phantasie und Ausdauer haben sie Porenbetonsteine aus dem Baumarkt in großartige Kunstwerke verwandelt.